Electric Daisy Carnival: Elektronische Rekorde in den USA

Die USA sind kulturell gesehen oft die Vorreiter der Welt. Kein Wunder: Musik– und Filmindustrie sind tragende Säulen der Wirtschaft. Je mehr Geld in die Hand genommen werden kann, desto imposanter sind die Ergebnisse. Sie versprechen möglicherweise nicht die hohe Qualität, die man sich mit so viel Geld erarbeiten kann (wie man an übertrieben lauter Popmusik und den ganzen Explosionen in den typischen Blockbuster-Filmen des Sommers sehen kann) — aber die Amerikaner werden auf der ganzen Welt um diese kreative Freiheit und das ganze Geld für die Umsetzung ihrer Ideen beneidet.

Derzeit ist ein sehr interessanter Trend im Umlauf, der sich auf die Musik bezieht. In den USA wurden die R&B Einflüsse der Pop-Künstler mit elektronischer Musik ersetzt. Darunter zu verstehen sind allerdings nicht die Deep House und Minimal Sounds der deutschen Clubs, sondern Töne, die an erfolgreiche Euro-Produzenten wie David Guetta erinnern. Das tut vielen in den Ohren weh. Innerhalb weniger Jahre sind nun die amerikanischen Charts gefüllt mit Pop-Acts, die sich eines eklektischen Geräuschepegels für den Club bedienen. Ehemalige Hip Hop Produzenten wie will.I.Am und beliebte Sänger wie Usher greifen fast nur noch auf Musik zurück, die man auf dem alten Kontinent lose mit “Ibiza” assoziieren könnte. Vielleicht geht das nicht jedem so — aber oft kommt es einem so vor, als wären lang vergessene One Hit Wonder wie La Bouche und Whigfield wieder im Kommen, diesmal aber im großen Stile: typisch amerikanisch.

Wie sehr sich dieses Genre der Musik bereits etabliert hat sieht man den Ausmaßen des größten Festivals dieser Art auf der anderen Seite des Atlantiks. Der Electric Daisy Carnival wurde bereits in den 90er Jahren gegründet. Damals kamen zu diesem elektronischen Musikfestival 5000 Leute in den Austragungsort nach Los Angeles in Kalifornien. Innerhalb von zehn Jahren ist der EDC zum größten Elektro-Musik-Festival der USA geworden, seit der Saison 2011 sogar eines der größten der ganzen Welt. Mit Headlinern wie dem bereits erwähnten David Guetta, Swedish House Mafia und Hed Kandi hat der EDC mehr als 300.000 Besucher in die neue Stadt des Festivals, Las Vegas, angezogen. Das sind mehr Besucher als die zwei größten elektronischen Musik-Festivals in Deutschland zusammen.

Las Vegas ist praktisch aber auch symbolisch der perfekte Ort, um die amerikanische Pop-Industrie zu untermauern. Eine Stadt, die aus exorbitanten Unterhaltungsmöglichkeiten besteht. Ihre Wurzeln liegen an anderen Orten, doch sie werden kontextlos reproduziert (etwa wie die Sehenswürdigkeiten der Restwelt, die in Las Vegas für Hotels und Casinoresorts nachgebaut werden) und ziehen unwirklich viele Besucher an, die ein bisschen wilden Westen bei Poker, Roulette und Black Jack spielen möchten. Den großen Reibach, der fette Luxus, und nebenbei Musik vergangener europäischer Tage, die nun neu aufgelegt wird: das ist Las Vegas, die Stadt der Sünden, Neonlichter und fantastischen Abenteuer.

Damit hat der Electric Daisy Carnival nicht nur den perfekten Ort für das Festival gefunden. Auch die Besucher können sich voll und ganz auf die Infrastruktur der Stadt verlassen. Sie stören garantiert niemanden, denn Ausnahmezustand und Party gehören ins Repertoire der Stadt. Ob die elektronische Musik in Las Vegas einen langfristigen Nährboden findet und sich von dort in eine qualitativ hochwertige oder einzigartigere Richtung entwickelt, bleibt aber anzuzweifeln.

(In Zusammenarbeit mit Hansen Mediengruppe.)